Der Mut der wenigen - zum 90. Geburtstag von Wolf Biermann

Sonntag, 15.11.2026 um 17:00 Uhr

Vortrag

Der Mut der wenigen – zum 90. Geburtstag Wolf Biermann

Doris Liebermann, Berlin

16. November 1976. Ein Tag nach seinem 40. Geburtstag ist der Liedermacher Wolf Biermann im gewerkschaftseigenen Mercedes der IG Metall unterwegs auf der Fahrt von Köln nach Bochum. Die IG Metall hat den 1953 von Hamburg nach Ost-Berlin übergesiedelten und in der DDR seit nunmehr zwölf Jahren mit Auftritts- und Publikationsverbot belegten unliebsamen kommunistischen Sänger im Rahmen eines Jugendmonats in den Westen eingeladen.

Drei Tage zuvor, am 13. November 1976 - dem Geburtstag seines 1943 im KZ Auschwitz ermordeten Vaters - hat Wolf Biermann vor 7000 Menschen sein legendäres Konzert in der Kölner Sporthalle gegeben. In Bochum soll sein zweites West-Konzert stattfinden. Es trifft den Künstler völlig unerwartet, als er im Autoradio die Nachricht hört, „die zuständigen Behörden der DDR“ hätten ihm das Recht auf weiteren Aufenthalt in der Deutschen Demokratischen Republik entzogen“. Die Entscheidung sei „auf Grund des ‚Gesetzes über die Staatsbürgerschaft der Deutschen Demokratischen Republik – Staatsbürgerschaftsgesetz – vom 20. Februar 1967’, Paragraph 13, nach dem Bürgern wegen grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten die Staatsbürgerschaft der DDR aberkannt werden kann, gefasst“ worden.

Schon seit 1971 schmiedeten oberste DDR-Behörden mit Zustimmung von SED-Parteichef Erich Honecker den Plan, den unbequemen Liedermacher auszubürgern. Fünfmal scheiterte er, weil entweder Biermann keine Anträge auf Ausreise stellte oder weil der Plan unter Rücksicht auf politische Entwicklungen verschoben wurde. 

Die Rechnung, mit Biermanns Ausbürgerung die Opposition im Lande nachhaltig zu schwächen, ging nicht auf: der Bittbrief von 13 prominenten DDR-Schriftstellern, die „Maßnahme der Ausbürgerung“ zu überdenken, löste eine unerwartete Protestwelle im Lande aus. Nicht seine Ausbürgerung, so sagt der Künstler, sondern diese Protestwelle war der Anfang vom Ende der DDR.

Der Eintritt kostet 15,00€

Karten, Kontakt und Information:

Telefon: 03735 22045          Fax: 03735 661784          E-Mail:  info@baldauf-villa.de

Zusätzliche Informationen unter: https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/veranstaltungen/festival-des-kritischen-geistes-50-jahre-biermann-ausbuergerung

Foto ist von Anatol Liebermann